Systemische Organisationsentwicklung


systemisch, konstruktivistisch, systemtheoretisch

Der Unterschied, der den Unterschied ausmacht, lautet: systemisch.

Damit wird behauptet, dass es möglich ist, auf unterschiedliche Weise organisationsentwicklerisch tätig zu sein.

Organisationsentwicklung meint ein planvolles Vorgehen, um das Überleben, die Lebens- und Überlebensfähigkeit einer Organisation in ihrer Umwelt weiterhin wahrscheinlich werden zu lassen.

Vor dem Plan steht logischerweise die Idee, die Erkenntnis oder die Einsicht, dass es für eine Organisation überhaupt not-wendig ist, sich zu wandeln.
Diese banal erscheinende Aussage führt häufig schon zu den ersten Hürden in einem Veränderungsprozess. Denn die Einsicht in diese Notwendigkeit entsteht nicht bei allen Akteuren gleichzeitig und von alleine. So gilt dann auch der Merksatz:

Problemkonsens vor Lösungskonsens

Wird nun ein systemisches Vorgehen für ein Organisationsentwicklungs-Vorhaben gewählt, dann erfolgt die Planung aufgrund folgender Ansätze:

  1. Organisationen schaffen sich durch sich selbst.
  2. Organisationen erzeugen sich über System/Umwelt-Differenzen.
  3. Soziale Systeme operieren mit Kommunikation.

zu 1. – Organisationen schaffen sich durch sich selbst.
Organisationen folgen ihrer je eigenen inneren Logik und verhalten sich sehr resistent und träge gegenüber Veränderungsvorhaben. Anders ausgedrückt: Organisationen sind kultur-konservativ.
Damit erscheint ein detailliertes, planvolles Vorgehen in einem Change-Projekt sinnvoll. Bei der Planung sollte noch mehr berücksichtigt werden. Die alten, jetzt nicht mehr gewollten Handlungsabläufe und Routinen in einer Organisation sollten erschwert oder unmöglich gemacht werden. Es wäre zu kurz gesprungen, sich auf den kommunizierten Nutzen einer Neuerung und die erhoffte Sog-Wirkung alleine zu verlassen.

zu 2. – Organisationen erzeugen sich über System/Umwelt-Differenzen.
Organisationen stellen im Binnenverhältnis strukturierte, arbeitsteilige Aufgabenerfüllung dar. Diese Aufgaben werden für die Umwelt erbracht.

Ein Freibadförderverein teilt sich die Aufgaben Rasenmähen, Putzen/ Reinigung, Kassendienst, aber auch Vorstand etc. auf. Sobald die Finanzlage der Kommune es wieder zulässt und der politische Wille (= Prioritätensetzung) vorhanden ist, die genannten Aufgaben hauptamtlich erledigen zu lassen, löst sich der Verein auf. Er wäre seines Zweckes beraubt. Oder der Verein könnte sich eine neue, andersartige Zielsetzung geben, etwa in Form einer Satzung. Damit sind verschiedene Umwelten relevant für eine solche Organisation:

  • das kommunale Gemeinwesen (Rekrutierung von Freiwilligen),
  • ortsansässige Unternehmen (Sponsoren),
  • die Stadtverwaltung (Haushaltsplanung, Budgetierungsprozess),
  • der Gemeinderat/ Stadtrat (als Souverän lokaler demokratischer Entscheidungsprozesse).

Andere mögliche Umwelten werden als nicht relevant eingeschätzt. (So vermutlich: der örtliche Krankenpflegeverein,  die Telekom u.v.a.m.)

Was wäre für Sie die entscheidende Umwelt, von der Sie möchten, dass sie in Ihrer Organisation beachtet wird?
Was sollte Ihres Erachtens weniger oder gar nicht mehr beachtet werden, weil irrelevant?
Wie möchten Sie dies erreichen?

zu 3. – Soziale Systeme operieren mit Kommunikation.
Dies lässt sich illustrieren: Weil ein Vorstandsbeschluss zu einem neuen strategischen Vorhaben zustande kam, taucht er im Protokoll auf und wird in persönlichen Gesprächen und Teamsitzungen zum Inhalt gemacht. Diese Besprechungen setzen sich kaskadenförmig nach unten oder quer zur Hierarchie fort. Umsetzungsbeschlüsse fliessen dann wieder zurück, werden abgestimmt, selektiert und koordiniert. In Emails, Protokollen, Tagesordnungen, Gesprächen findet Resonanz statt.
Doch ist dies nicht zwangsläufig so. Anschlussfähige Folgekommunikation muss gewährleistet werden. Auch über lange Zeiträume wie etwa ein Kalenderjahr lassen sich Kommunikationskaskaden planen und gestalten, damit getroffene Entscheidungen Wirkung erzielen können.

Auf den verlinkten Seiten finden Sie vertiefende Gedanken zu

  • systemischem Denken und systemischen Ansätzen,
  • zu Konstruktivismus und
  • Systemtheorie.

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Kommentare

  1. * JHS says:

    Eine weitere nützliche Definition und die Anwendung für das Feld Vertrieb und Führung finden Sie hier: http://samasu.de/wordpress/?p=275#comment-4

    Verfasst 6 years, 1 month ago
    • * Seidl says:

      Da bedanke ich mich artig. Ich teile sehr Ihre Ansicht, dass der systemische Ansatz den Unterschied macht, gerade in der Vorbereitung und Durchführung von Gesprächen. Jeder Kunde ist größer als der Gesprächspartner vor mir, er ist Teil eines Systems (Unternehmens), das nur aus sich heraus wirklich verstanden werden kann.
      Ich halte dieses Verständnis für die wesentliche Grundlage eines wirklich Beratungs-orientierten Ansatzes.
      Viele Grüße und bis bald, Christoph Seidl

      Verfasst 5 years, 7 months ago


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