Systemische Organisationsentwicklung


„7 Akupunkturpunkte zur Überwindung der Krise des Kapitalismus“ von Otto Scharmer jetzt auch auf Deutsch

In kurzer, knapper und verdichteter Form liegt meines Wissens erstmals  in deutscher Sprache das vor, was Otto Scharmer die „7 Akupunkturpunkte zur Überwindung der Krise des Kapitalismus“ nennt.

Über die Webseite zur Masterclass-Veranstaltung am 23.06.2010 in Frankfurt der Bertelsmann-Stiftung (im Rahmen der Leadership-Series)  ist der Auszug aus der Zeitschrift „info 3 – Ausgabe 05/10, Anthroposophie im Dialog“ abzurufen.

Von diesen 7 Akupunkturpunkten erhofft sich Scharmer die „Aktivierung“ eines „grundlegenden sozialen Wandels“ (ebd., S. 12). Und der ist notwendig‘, weil wir uns in einer „Krise des Denkens“ befinden, so seine Diagnose.

Nehmen Sie anregende Gedanken und Weiter-Denken als meinen Wunsch für Sie mit auf den (Lese-) Weg.

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2 gefährliche Kennzahlen: „Wachstum“ und „BIP“

Es gibt nichts, was so sehr Objektivität suggeriert, wie Zahlen.

Ein Beispiel: 9 Grad Celsius. Was wissen wir nun? Gar nichts! Ohne zusätzliche informationen, wie die, dass es sich um eine (Innen-) Raumtemperatur handelt, wir Januar 2010 haben, in Deutschland, ohne all dies, würden wir nicht sofort an den Heizungsnotdienst denken, der uns unsere Heizung repariert.

Doch wenn die ach so aussagekräftigen Zahlen die falschen sind, dann wird es sogar gefährlich. Denn was sollen wir denken, angesichts von ’nur‘ (?) 2 % Prozent Wachstum und stagnierendem Bruttoinlandsprodukt (BIP)? Die Gefahr besteht darin, dass wir den falschen Konzepten nachhängen, die da behaupten: ohne Wirtschaftswachstum und steigendes BIP kein Wohlstand.

Einen sehr hörbaren und lesbaren Beitrag brachte heute wieder einmal SWR2 Wissen: Aula – „Wachstum macht noch keinen Wohlstand“ von Prof. Hans Diefenbacher.

Die Argumentation ist im Einzelnen gut nachzuhören oder nachzulesen.

Bedenklich ist die unkritische Verwendung der genannten Kennzahlen, weil damit öffentliche Aufmerksamkeit gesteuert wird. (Fast) Alle Medien berichten, im KollegInnenkreis wird gedankenschwer räsoniert usw.. Was passiert, ist, dass eine spezifische Stimmung entsteht, die andere Interraktionen unwahrscheinlicher werden lässt, so dass andere Stimmungen entstehen können.

Oder erinnern Sie sich noch an Zeiten vor der Wirtschaftskrise? Gab es das? Etwa das ‚Wunder‘ der Fußball-WM 2006 in Deutschland? Plötzlich war es möglich, sich zu freuen, in diesem tollen  Land zu leben, diesem positiven Lebensgefühl symbolisch Ausdruck zu verleihen (Fahnen) und sich tatsächlich als GastgeberIn für die Welt zu fühlen.

Vielleicht sollten (wir) alle miteinander mehr andersartige Informationen streuen?

Erinnern Sie sich noch an das deutsche Depressionsbarometer? (Hat es sogar mal in die Tagessschau geschafft.) Eine solche Intervention könnte helfen – auch in Ihrer Organisation(!) – den Blickwinkel zu verändern.

 


Island als Beispiel

Der Beitrag ist untertitelt mit „Eine Kultur in der Krise„.

„Gott segne Island“ – mit diesen Worten schloss der isländische Premierminister im Oktober 2008 seine Rede zum kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems. Die Krise hatte den kleinen Inselstaat so schnell und verheerend überrollt wie keine andere Volkswirtschaft. In den Augen der Weltöffentlichkeit galt das Land plötzlich als Crashlabor, das die Folgen eines Staatsbankrotts exemplarisch veranschaulichte.

Ich habe mich beim Hören gefragt: was ist daraus für das Verständnis und den Umgang mit Krisen in anderen Organisationen (also nicht Nationalstaaten, sondern vielleicht Unternehmen, Ministerien etc.) zu lernen? Findet hier gar (im zynischen Sinne) Aktionsforschung statt?

Zunächst besteht eine Parallele im gemeinsamen Realitätsverlust.

Weil es tatsächlich so ist, wie der Volksmund sagt, dass ’nicht sein kann, was nicht sein darf‘, werden Fehler begangen. Eindrücklich untersucht und erörtert hat das Thema Leon W. Festinger.

Das wirklich spannende Moment liegt aber darin, zu wissen, wie man eine Organisation durch eine solche Krise führen kann. Wie gelingt dies ohne ‚moderne Helden‘, ohne ‚weiße Ritter‘, heißen sie nun Barack Obama oder anders?

Die Hinweise der Autoren lauten: Kultur! Eine tiefgreifende Besinnung auf Werte und ein Wege-Suchen jenseits bequemer „weiter-so“-Haltung.

Warum Kultur? – Weil vielfältig (beobachtbar, interpretierbar), weil darüber die Sinn-Fragen beantwortet werden können.

Der Nutzen für Organisationsentwicklung? Eine Bestärkung, dass Kulturthemen (unter der Oberfläche) starke Wirkungskräfte haben, eine gezielte Arbeit daran das Leben und Überleben einer Organisation ausmachen können.


Die Zukunft des Kapitalismus

Die Reihe „Die Zukunft des Kapitalismus“ bei der F.A.Z. lässt viele zur Sprache kommen: Paul Kirchhof, Meinhard Miegel, Gunnar Heinsohn, Peter Sloterdijk, Fritz B. Simon, Heiner Flassbeck, Christoph Deutschmann u.v.a.m. Was für Sie davon neu ist? Entscheiden Sie selbst. Hier einige be-merken-swerte Schlaglichter: (in völlig unzulässiger Weise verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen, dargestellt)  

  • Paul Kirchhof – Verantwortlichkeit heißt Haftung
  • Meinhard Miegel – mit dem Vergleich von „Wachstum“ und „Ablasshandel“
  • Gunnar Heinsohn – zur Differenz von Besitz und Eigentum
  • Peter Sloterdijk – umgekehrte Ausbeutung
  • Fritz B. Simon – sinnstiftende Gegenbewegung
  • Heiner Flassbeck – zu Arbeit, Wetten, Zocken
  • Christoph Deutschmann – zu Überliquidität

„Der Untergang findet nicht statt“ – Fritz B. Simon zur Zukunft des Kapitalismus

Kurz, knapp, kompetent, so lässt sich der Beitrag von Fritz B. Simon zur Zukunft des Kapitalismus mit dem Titel „Der Untergang findet nicht statt“ in F.A.Z. anreissen.