Systemische Organisationsentwicklung


Führen

  • Führen, was heißt das?
  • Was konkret ist (immer wieder) zu tun?
  • Wie machen Sie das „richtig“?

Mit einem systemischen Verständnis ‚tun‘ Sie 4erlei, wenn (falls) Sie führen:

  1. „Sie versorgen die Organisation mit einem Blick auf ihre jeweils relevanten Umwelten.“ Daraus gewinnen Sie „die entscheidenden Entwicklungsimpulse für ihren jeweiligen Verantwortungsbereich.
  2.  Sie leisten die horizontale und vertikale Verknüpfung von Systembestandteilen […] im Sinne einer Koordination durch Selbstbindung der beteiligten Subsysteme.
  3. Sie betreiben organisationale Sinnstiftung durch das Formulieren und Verbreiten von sinnvollen Theorien, Erklärungen und Legitimationen […].
  4. Sie geben den Organisationsmitgliedern Orientierung, denn diese haben die Möglichkeit der Zurechnung (Personalisierung) von Entscheidungen“. (Meissner/ Wolf/ Wimmer, 2009: 28)

In alltagspraktisches Handeln lässt sich dies beispielsweise wie folgt übersetzen:

zu 1.: (Blick auf relevante Umwelten)
Sie entscheiden damit, über welche Themen Sie sprechen, was für die anderen Mitglieder Ihrer Organisation bzw. Ihre Mitarbeitenden als relevante Umwelt einzuschätzen ist. Wenn etwa einer Ihrer Großkunden Absatzprobleme hat, lösen Kommunikationsanlässe darüber etwas ganz anderes aus, wie wenn Sie betonen, dass Sie für 5% Ihres Umsatzes sich ein neues Kundenfeld (Branche) erschliessen möchten und welche Strategie Sie dafür geeignet halten.
Selbstverständlich spielt es dabei eine Rolle, in welchem Tonfall Sie sprechen, welche exakte Wortwahl Sie treffen und welchen Anlass Sie wählen (Aufsetzen der Tagesordnung, Besprechung, Management-Kreis, beim Mittagessen, 4-Augen-Gespräche hinter verschlossener Tür, Kommentar bei der gemeinsamen Kaffeerunde etc.). All Ihr Handeln (und Unterlassen) wird als Führungshandeln gewertet werden. Durch passgenau gewählte Formulierungen, steigern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Botschaften in Ihrem Sinne verstanden werden.

Exkurs zum Zusammenhang von Organisation, Kommunikation und Führen:
Es gelte folgendes: 

  • Organisationen bestehen aus Kommunikationen. (Diese schliessen ständig aneinander an.)
  • Man kann nicht nicht kommunizieren. (Paul Watzlawick)
  • Man kann nicht nicht führen.

zu 2.: (Verknüpfung von Systembestandteilen)
Dadurch, dass Sie sich in der Zielsetzung und Umsetzung Ihrer Aufgaben mit anderen Abteilungen, Bereichen etc. absprechen, sorgen Sie für eine systematische Aufgabenerfüllung. Sie priorisieren ständig Ihre Aufgaben neu. Die Kunst besteht dann darin, Wechsel vorzunehmen, ohne sich dem Vorwurf der Beliebigkeit (oder gar Willkür) auszusetzen. Dadurch, dass Sie Zusammenhänge herstellen, erläutern und aufzeigen, muss jede Ihrer Entscheidungen nachvollziehbar oder transparent werden. Somit erreichen Sie es, dass …

zu 3.: (Sinnstiftung & Selbstbindung)
Jede Ihrer Handlungen als sinnvoll eingeschätzt wird. Im nächsten Schritt können auch Ihre Mitarbeitenden erkennen, womit und wie diese ihren Beitrag zum Gelingen des Ganzen leisten können. Und es geht sogar noch darüber hinaus: weil es Sinn macht, die eigenen Aufgaben zu erfüllen, wollen alle anderen Organisationsmitglieder auch ihren Beitrag erfüllen. (Stichwort: Selbstbindung) Über die Art und Weise, welche Szenarien Sie vor Ihrem inneren Auge (und dem Ihres Publikums) bei verschiedensten Kommunikationsanlässen entstehen lassen, nehmen Sie maßgeblich Einfluss auf Arbeitsethos, Kultur, Selbstverständnis Ihrer Organisation.

zu 4.: (Orientierung geben)
Mit der Zurechenbarkeit von Entscheidungen, also Verantwortung, ist eines immer geklärt – die Schuldfrage. Alle Schuld liegt bei Ihnen. Zumindest ist dies eine gerechtfertigte Zurechnung seitens ihrer Mitarbeitenden an Sie, denn Sie sind in Ihrer Rolle als Führungskraft ja Fürsprecher Ihrer Organisation.

Das kann auch positiv und entlastend sein. Oder frei nach Forrest Gump:
„Eine Sorge weniger.“

Fazit:

  • Egal, was Sie tun, Sie führen.
  • Es lohnt sich, zu reflektieren, wie Sie dieses ‚Führen‘ für sich und Ihre Organisation gelingend gestalten können.
  • Beim Coaching organisiert man sich hierzu einen Sparringspartner.

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  1. Führen « Systemische Organisationsentwicklung pingbacked - 7 years, 3 months ago

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