Systemische Organisationsentwicklung



„Es gibt nicht Praktischeres als eine gute Theorie“ (Kurt Lewin)

Den Satz: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“ (1951 von Kurt Lewin veröffentlicht), halte ich für absolut korrekt. Die inhaltliche Aussage wird verständlich mit einigen wenigen definitorischen Setzungen:

  • „Wenn …, dann …“
    entspricht (in seiner Form) einer Theorie. Denn was ist eine Theorie? Nichts anderes als Aussagen darüber, welches Modell man im Kopfe mit sich herumträgt davon, ‚wie die Welt ist und was sie im Innersten zusammmenhält‘.
  • In elaborierter Form spricht man irgendwann von ‚Wissenschaft‘ und legt noch ein paar zusätzliche Maßstäbe an (Falsifizierbarkeit etc.). Für den Alltagsgebrauch soll die obige Kurzform gelten und genügt sie auch.

Jetzt ist es häufig so, dass Modelle oder Theorien mehr oder weniger nützlich sein können.

Schwierig wird es, wenn entweder nicht bemerkt wird, dass man in seinem Handeln (nur) einer Theorie folgt oder man mangels alternativer Theorien glaubt, am Ende möglicher Erkenntnis angelangt zu sein.

Für ein Wissen um Organisationen und deren Entwicklung mag man ein Bild benutzen, welches sogar von Wikipedia („systemische Organisationsberatung“)  verbreitet wird. Ganz im Sinne älterer Systemtheorie wird eine Organisation als Ganzheit begriffen, die zwar beeinflusst werden kann, man aber wie bei einem Kleinkinderspielzeug – Mobile – niemals genau weiss, welche Effekte man tatsächlich evozieren wird. Diese Theorie lenkt die Aufmerksamkeit auf …

  • Veränderung in Bezug auf die Personen,
  • Veränderung der subjektiven Deutungen,
  • Veränderung von Verhaltensregeln und der darauf basierenden gemeinsamen Deutungen,
  • Veränderung der Interaktionsstrukturen,
  • Veränderung der Systemumwelt,
  • Veränderung hinsichtlich der zukünftigen Entwicklungsrichtung und /oder der Entwicklungsgeschwindigkeit

(vgl.König (1998) S.39).

Man merkt noch nicht einmal, dass die dort angenommenen theoretischen Prämissen, nur begrenzte Erklärungen liefern und weiter reichendes Wissen zwischenzeitlich verfügbar ist.
Der weiter greifende, andere Theorieansatz der neueren Systemtheorie, beschreibt, dass generell dafür gesorgt werden muss, dass Kommunikationen (und damit Entscheidungen) an Kommunikationen (= Entscheidungen) anschliessen können. Oder einfacher: Was muss ich tun, damit bestimmte Entscheidungen von mir von anderen zur Grundlage (= Entscheidungsprämisse) ihrer Folgeentscheidungen gemacht werden? 

Andere Theorie, andere Erkenntnisse, vielleicht aber durchaus gleiches Vorgehen in der Praxis. (Nur: plausibel sollte es eben sein!)

Nun begegnen mir immer wieder Menschen, die argumentieren:

Ja, aber für die Praxis taugt Theorie nicht.

Nun zum einen ist dies auch eine Theorie, zum anderen frage ich mich in diesen Kontexten immer wieder:

Und wie findet Erkenntnis statt?

Wir können die Welt ja nie zur Gänze begreifen und handeln stets nach Mustern, die wir für vielversprechend, aussichtsreich, hilfreich und nützlich halten. Manchmal ist es geschickt – so meine Meinung -, wenn man sich planerisch Gedanken macht, mit welchen Einzelschritten man sein Ziel erreichen zu können glaubt.
Sich für bzw. auf diesem Wege des Wissens, der Erkenntnis anderer zu bedienen, scheint mir geschickt. Dann kann ich begründet darlegen, mit welcher Handlungsstrategie das avisierte Ziel plausibel erreichbar scheint.
Insofern gilt der Satz:

Es gibt nicht Praktischeres als eine gute Theorie.


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